Das menschliche Auge ist für unsere Natur gemacht. Die Sonne liefert ein breites Lichtspektrum und eine vielfach höhere Beleuchtungsstärke als gewöhnliches künstliches Licht. In der Natur siehst du wunderbare Farben, alles hat Konturen: Bäume, Blumen, Wiesen, Wolken. Für deine Augen gibt es viel größere Weiten zu erkunden. Auch finden ständig Anpassungen auf verschiedene Entfernungen statt.

In der modernen Lebensweise triffst du häufig genau das Gegenteil an. Geschlossene Räume, künstliches Licht und Bildschirme sind im Alltag vieler Menschen nicht wegzudenken. Insbesondere Bildschirme stehen in direktem Gegensatz zur Natur. Konstante Entfernung, glatte Oberfläche, wenige Spektralfarben. Das tut den Augen nicht gut und du schadest dadurch deiner Sehfähigkeit.

Beobachte mal dich und deine Augen für ein paar Tage. Du wirst dann selbst feststellen, wie sie auf unterschiedliche Einflüsse reagieren, wie auch deine Sehkraft sich verändern kann. Sie schwankt im Laufe eines Tages unter anderem in Abhängigkeit von Lichtverhältnissen, Müdigkeit, Stress und Anspannung. Du merkst schnell, was dir gut tut und was eher weniger. Wann siehst du besser und wann siehst du schlechter? Diese Erfahrungen und Beobachtungen kannst du in dein Leben integrieren.

Ich möchte dich inspirieren, deinen Augen im Alltag wieder mehr „natürliches Sehen“ zu gönnen. Geh raus, betrachte die Schönheit der Wiesen und Wälder. Verfolge die Wolken am Himmel. Kommst du mal nicht nach draußen, schau regelmäßig aus dem Fenster. Verfolge Bewegungen. Tiere, Äste im Wind. Mach viele Bildschirmpausen. Schärfe dein Bewusstsein für einen natürlicheren Umgang mit deinen Augen.

Blinzeln

Etwas, das auch unter dem „unnatürlichen Sehen“ leidet, ist das Blinzeln. Insbesondere durch Bildschirme, hat die Häufigkeit des unbewussten Blinzelns (Lidschlussreflex) deutlich nachgelassen. Dabei erfüllt das Blinzeln mehrere wichtige Aufgaben. Es reinigt die Augen, regeneriert die Sehzellen, entspannt deine Augenmuskeln und unterstützt beim Scharfstellen. Versuche deshalb bewusst häufiger zu blinzeln, sodass nach und nach auch die unbewusste Frequenz wieder zunimmt.

Die Brille

Beim Thema „Natürliches Sehen“ dürfen wir die Brille nicht vergessen. Ich kenne keinen Menschen, der mit einer Brille geboren ist. Somit kann sie nicht zum natürlichen Sehen gehören. Trägst du beispielsweise eine Brille mit -2 dpt. Dann werde Objekte in großer Entfernung quasi auf 50 cm hergeholt. Es ist so, als ob du die ganze Zeit nur in einem Bereich von ein paar Zentimeter bis maximal einen halben Meter schaust.

Dann ist es wie bei allen anderen Muskeln auch. Deine Augenmuskeln passen sich an die einseitige Belastung an, genauso wie die Hüft- und Beinmuskulatur beim zu vielen Sitzen. Somit kann dir die Brille zwar den Alltag erleichtern, aber sie festigt deine Fehlsichtigkeit. Sie übernimmt die Funktion einer Krücke.

Daher ist es wichtig, dass du deine Brille so selten wir möglich trägst. Wie oft dir das gelingt, hängt von deinen Voraussetzungen ab. Dabei spielen sowohl dein Alltag eine große Rolle also auch deine Sehstärke. Eine Regel gilt jedoch immer: Trainiere ohne Brille.

Bist kurzsichtig und hast du weniger als -2 dpt, kannst du mindestens 50 cm weit sehen. Tätigkeiten im Nahbereich, wie Schreibtischarbeit stellen für dich also kein Problem dar. Hier solltest du immer auf deine Brille verzichten. Für alle weiteren Entfernungen liegt es an dir und deinen Umständen, was für dich tolerierbar ist. Wenn es dir beispielsweise nichts ausmacht, vorübergehend nicht jeden deiner Mitmenschen sofort zu erkennen, kannst du bereits komplett auf deine Brille verzichten. Eine Ausnahmen bilden die gesetzlich vorgeschriebenen Tätigkeiten, wie das Autofahren. Grundsätzlich gilt, je weniger du deine Brille trägst desto besser.

Bist du kurzsichtig und hast du mehr als – 2 dpt, dann empfehle ich dir, eine Brille zu beschaffen, die 0,5 bis 1 dpt schwächerer ist als deine aktuelle Stärke. Damit siehst du immer noch ein bis zwei Meter weit scharf. Tätigkeiten im Nahbereich kannst du damit wunderbar ausführen. Und auch in mittleren Entfernungen siehst du meist ausreichend. Dadurch gibst du deinen Augen ausreichend Spielraum zur Verbesserung. Setze deine reguläre Brille nur auf, wenn es zwingend notwendig ist. Sobald du mit deiner schwächeren Brille wieder scharf siehst, ist es Zeit für die nächstschwächere.

Siehst du in der Nähe nicht mehr gut, dann versuche es wenn möglich ohne Brille und bleib etwas weiter von den Objekten weg. Ansonsten nimm dir eine schwächere Brille für den Nahbereich.

Egal ob du kurz- oder weitsichtig bist, beachte folgendes, wenn du im Alltag eine schwächere bzw. keine Brille trägst. Versuche nicht durch Anspannung, Augen zusammenkneifen, aufreißen oder ähnliches scharf zu sehen. Bleib immer locker und entspannt und nimm alles so war, wie es aktuell für dich aussieht. Auch wenn es unscharf sind. Wenn du etwas schärfer sehen willst, dann probier dies über ein paar kleine Augenbewegungen, Blinzeln oder etwas warten schärfer bekommen. In Ausnahmefällen kannst du auch mal kurzzeitig durch Anstrengung scharf stellst. Wird das allerdings zum Dauerzustand, gefährdest du dadurch deinen Trainingserfolg.

Du brauchst allerdings nicht sofort loslaufen und dir eine neue Brille kaufen, wenn du mit starksicht startest. Schritt 1, die Vorbereitungsphase absolvierst du mit deiner aktuellen Brille.