Der richtige Blick

Die Art und Weise der Ausführung der „Besser Sehen“- Übungen ist von entscheidender Bedeutung, genauso wie im Alltag. Davon hängt letztendlich ab, wie schnell du dich verbesserst und wie weit du kommst. Trainierst du „falsch“, schaust du im Alltag „falsch“, dann bleibt deine Entwicklung irgendwann stehen.

Im Prinzip lässt sich der „richtige Blick“ ganz einfach beschreiben:

Schau beim Training und im Alltag ganz locker und entspannt, als ob du dein Objekt bereits scharf sehen kannst.

Vermeide jede Anstrengung, ein Zusammenkneifen oder Aufreißen der Augen, sowie sonstiger unnatürlicher Blicke. Das Scharfstellen passiert beim Üben „wie von selbst“, durch die Augenbewegungen, leichtes Blinzeln oder schlichtes Warten.

Wenn du Schwierigkeiten hast, den „richtigen Blick“ zu finden, können dir nachfolgende Tipps helfen.

Betrachte bei Kurzsichtigkeit Objekte in kürzeren Entfernungen, die du mühelos scharf sehen kannst, und merke dir das Gefühl. Mit dem gleichen Gefühl betrachtest du nun unscharfe Objekte in größerer Entfernung. Egal wie scharf diese sind. Überlasse das Scharfstellen deinen Augen, konzentriere dich nur auf das Gefühl der Lockerheit und Entspannung. Wechsel ruhig mehrmals zwischen dem nahen und fernen Objekt hin und her. Bist du weitsichtig, dann gehst du genau umgekehrt vor. Das Gefühl der Schärfe in der Ferne behältst du beim Blick auf nahe Objekte bei.

Die Auswahl des richtigen Trainingsobjektes macht es dir leichter, den richtigen Blick zu halten. Idealerweise ist dein Trainingsobjekt immer nur leicht unscharf. Das kannst du sowohl über Entfernung als auch die Größe bzw. den Detaillierungsgrad des Objekts steuern.

Auch ist es leichter an natürlichen Objekten wie Bäumen, Sträuchern oder Blumen den richtigen Blick zu beizubehalten. Im Vergleich zu einer Sehtafel bzw. Buchstaben und Zahlen sind die Konturen weicher und du arbeitest dabei zusätzlich dreidimensional.

Achte auch auf gute Lichtverhältnisse, wenn du trainierst oder im Alltag scharf sehen möchtest. Es ist hell aber blendet nicht, idealerweise Sonnenlicht. Dann ist es einfacher den richtigen Blick zu halten. Akzeptiere außerdem, dass du wahrscheinlich etwas unschärfer siehst, wenn es dunkler und schlecht beleuchtet ist.

Eine weitere Hilfe ist es, wenn du versuchst, beim Fokussieren deinen Blick zunächst so breit wie möglich zu halten, d. h. eine große Fläche anstatt eines kleinen Punktes wahrzunehmen. Damit stellst du deine Augen zuerst auf die Entfernung ein. Erst anschließend konzentrierst du dich auf das kleinere Trainingsobjekt, die Details.

Um mit dem richtigen Blick zu trainieren oder zu schauen, kann es dir auch helfen vorab eine der folgenden Dinge zu tun. Mache eine Wohlfühlübung. Sehr gut ist das Handauflegen oder mehrmaliges Blinzeln. Ein paar lockere Augenbewegungen können ebenso den richtigen Blick unterstützen.

Finde unbedingt den richtigen Blick und versuche ihn beizubehalten. Überprüfe dich regelmäßig.

Trainiere nur mit dem richtigen Blick

Für den Erfolg der Übungen „Besser Sehen“, ist es unerlässlich, dass du nur mit dem richtigen Blick trainierst.

Dementsprechend solltest du bei Beginn der Übung und auch immer wieder zwischendrin überprüfen, ob du noch den richtigen Blick drauf hast. Achte darauf, dass du jedoch vor lauter „richtigem Blick“ beim Üben nicht nur „ins Leere“ starrst. Entspannt, locker, aber dabei auf dein Trainingsobjekt konzentriert.

Du kannst eine kleine Vorbereitung machen bevor du mit den eigentlichen Übungen beginnst. So kannst du leichter den richtigen Blick finden. Du hast folgende Möglichkeiten:

  • ein paar schnelle, kurze Augenbewegungen
  • Wohlfühlübungen
  • zunächst Augen an die Trainingsentfernung gewöhnen, indem du etwas größeres in der entsprechenden Entfernung anschaust
  • schau auf ein Objekt, in einem Bereich, in dem du mühelos scharf siehst, achte besonders auf dein Gefühl und richte dann mit dem gleichen Gefühl den Blick auf dein Trainingsobjekt

Habe unbedingt Geduld beim Üben. Erzwinge die Schärfe nicht, sie stellt sich in der Regel wie von selbst ein. Kann aber auch wieder verschwinden bevor der Durchgang zu Ende ist. Es kann auch Tage oder Einheiten geben, an denen es gar nicht scharf wird. Nimm das Ergebnis an, wie es ist.

Das richtige Licht und das richtige Trainingsobjekt

Trainiere idealerweise an gut beleuchteten Orten. Es soll hell sein, aber nicht so hell, dass du geblendet wirst und dadurch die Augen zusammenkneifen muss. Ist es zu dunkel, wirst du etwas schlechter sehen und eher verleitet über Anstrengung dein „normales“ Ergebnis zu erreichen. Perfekt ist natürlich Tageslicht.

Beim Trainingsobjekt hast du verschiedene Optionen, für die du dich je nach Verfügbarkeit und Vorliebe entscheiden kannst. Grundsätzlich kannst du mit allem trainieren. Dein Trainingsobjekt muss nur unscharf sein. Ideal ist eine leichte Unschärfe. Je stärker diese wird desto schwerer ist es den richtigen Blick aufrecht zu erhalten. Wenn es dir jedoch gelingt, kannst du auch mit unschärferen Objekten trainieren, was ich dir aber nicht empfehle. Die Schärfe kannst du über die Entfernung zum Trainingsobjekt sowie dessen Größe und Details anpassen. Einen Baum kannst du als Ganzes betrachten, größere Äste, kleinere Zweige, einzelne Blätter.

Im Prinzip unterscheide ich zwei Arten von Trainingsobjekten, dreidimensionale Objekte, die du insbesondere in der Natur findest, und die Sehtafel bzw. jede Art der Schrift.

Natürliche Objekte bieten den großen Vorteil, dass sie es dir leichter machen, mit dem „richtigen Blick“ zu trainieren. Durch ihre Konturen und auch die Farbgebungen werden sie etwas weicher. Sie bieten auch den Vorteil, dass sie überall verfügbar sind. Bei Kurzsichtigkeit kannst du quasi immer wieder kurz für ein paar Sekunden oder Minuten trainieren. Allerdings kannst du bei natürlichen Objekten deine Fortschritte nicht so gut nachvollziehen.

Das ist der große Vorteil der Sehtafel. Hier bekommst du ein genaueres Feedback, wo du gerade stehst. Allerdings kann sich dieser Vergleich negativ auf den „richtigen Blick“ auswirken. Die Sehtafel verleitet eher, ein Ergebnis zu erzwingen als die Natur.

Finde für dich selbst heraus, was dir mehr liegt. Bist du eher ein Typ, der immer das messbare Ergebnis braucht und dadurch motiviert wird oder bist du doch zu ungeduldig und drückst bei der Sehtafel zu sehr? Das kann ich letztendlich nicht für dich beantworten.

Aus meiner Erfahrung ist eine Mischung ganz gut. Ein- oder zweimal am Tag die Tafel, um den Fortschritt greifbarer zu machen, den Rest aber in der Natur trainieren, da es dort schneller in der Regel schneller geht.