Fokus

 

Nachdem du angefangen hast, deine Augen wieder beweglicher zu machen, musst du nun deine Augen wieder an größere Entfernungen gewöhnen. Mache Fokussierungsübungen so lange, bis du deine gewünschte Sehkraft erreicht hast.

Deine Augen müssen wieder lernen, Dinge in verschiedenen Entfernungen zu fokussieren. Dabei ist es ganz wichtig, dass du alle Übungen mit einer Lockerheit ausführst. Solltest du zu sehr verkrampfen, weil du etwas schon unbedingt sehen möchtest, kann das deinen Fortschritt behindern. Hab etwas Geduld und bleibe entspannt. Beginne deswegen mit der Betrachtung größerer Objekte (z. B. Wald, Baum, Haus) als Ganzes. Arbeite dich dann mit der Zeit zu immer kleineren Details (z. B. Ast, Blatt, Fenster, Hausnummer) vor.

 

Leg eine Pause ein und mache ein paar Entspannungsübungen, wenn du beginnst zu verkrampfen. Du kannst auch gut abwechseln zwischen Fokus und Entspannungsübungen. Manchmal reicht schon ein einfaches Blinzeln oder das Zusammenkneifen der Augen aus, damit du weiter trainieren kannst. Führe die Fokussierungsübungen nach Möglichkeit bei Tageslicht aus. Du wirst feststellen, dass deine Sehkraft bei Tageslicht besser ist als bei künstlichem Licht oder abends.


 

Folge dem Stift

 

Für diese Übung benötigst du einen Stift. Oder du nimmst einfach einen Finger.

Halte den Stift senkrecht vor deine Nasenspitze, sodass du ihn gerade noch scharf sehen kannst. Betrachte die Spitze des Stifts, die sich dabei auf Augenhöhe befinden soll. Bewege nun den Stift schräg nach unten, vom Körper weg und zurück zur Nase. Führe anschließend den Stift waagrecht nach vorne und zurück. Es folgt eine schräge Bewegung nach oben und nochmals eine waagrechte nach vorne. Beobachte dabei die ganze Zeit die Spitze des Stiftes.

Strecke bei der Übung den Arm immer ein bisschen weiter als bis zu dem Punkt, an dem du die Spitze noch scharf sehen kannst. Wähle eine Geschwindigkeit bei der du dem Stift mit den Augen gut folgen kannst.

Mach pro Übungsdurchlauf 3-5 Wiederholungen. Führe „Folge dem Stift“ mehrmals am Tag aus.

Kannst du bereits den Stift mit ausgestrecktem Arm scharf sehen, dann erweitere die Übung noch wie folgt.

Nachdem du deinen Arm waagrecht oder schräg nach oben gestreckt hast, schau über den Stift hinaus in die Ferne. Bleib dabei ganz locker und entspannt. Du musst hier noch nicht alles scharf sehen. Betrachte kurz die Landschaft als Ganzes oder „springe“ mit den Augen von Objekt zu Objekt. Schau anschließend wieder den Stift an und führe ihn zurück zur Nase.

Versuche die Übung zusätzlich mit deiner Atmung zu kombinieren. Dadurch kannst du deine Augenmuskeln zusätzlich noch etwas entspannen. Atme lange und bewusst aus, wenn du den Stift von deinem Körper weg bewegst, du somit weiter in die Ferne blickst.


 

Blick in die Wolken

 

Blick in die Wolken kannst du auch vor einem blauen Himmel ausführen. Ich habe für mich jedoch festgestellt, dass die Übung bei bewölktem Himmel etwas effektiver ist.

Beim Blick in die Wolken gibt es verschiedene Varianten. Wechsle zwischen den einzelnen Varianten ab. Mach die Varianten, die sich für dich besser anfühlen entsprechen häufiger. Bei allen Varianten ist es wichtig, dass deine Augen dabei etwas nach oben blicken und du nicht nur den Kopf in den Nacken legst.

Variante 1: Lasse den Blick langsam über die Wolken gleiten und versuche dabei die Formen wahrzunehmen.

Variante 2: Bewege deine Augen schneller und konzentriere dich dabei nur auf den Abschnitt vor dir. Deine Augen bewegen sich zwar, aber du siehst nur die Wolken vor dir. Wobei du die Randbereich nicht bewusst wahrnimmst.

Variante 3: Versuche so viele Wolken wie möglich in der Breite wahrzunehmen. Dabei bewegen sich deine Augen automatisch und kaum spürbar.

Variante 4: Führe Variante 1 oder 3 aus während du schnell hintereinander blinzelst.

Bei Variante 1-3 kann sich in den Augen eine angenehme Spannung aufbauen und diese leicht zu tränen beginnen. Bevor du blinzelst oder die Augen schließt, halte dem Verlangen noch etwas stand. Nachdem du dann die Augen geschlossen hast, wirst du direkt ein wohliges Gefühl verspüren und etwas besser sehen.


 

Nah-Fern-Schauen

 

Betrachte bewusst Objekte in verschiedenen Entfernungen. Schau von Objekten in deiner Nähe, die du gut sehen kannst, zu weiter entfernteren. Übe dort viel im Grenzbereich, wo gerade deine Unschärfen beginnen. Betrachte aber auch immer wieder sehr weit entfernte Objekte. Betrachte dabei immer die Objekte als Ganzes und versuche noch nicht zu sehr auf Details einzugehen.

Du kannst dich mit deinen Blicken auch länger in den Bereichen aufhalten, wo du noch nicht scharf sehen kannst. Schaue dort von einem Objekt zum anderen.

Während du ein Objekt anschaust, kannst du zusätzlich deine Augen noch schnell hin und her bewegen. Trotz der Augenbewegung bleibt dein Fokus auf dem Objekt.

Die Trainingseffekte kannst du noch steigern, indem du dabei selbst in Bewegung bist oder bewegte Objekte betrachtest, denen du mit den Augen folgst. Der Kopf selbst bleibt dabei ruhig.

Die oben beschriebenen Übungen, kannst du nicht zu oft machen. Wechsle dabei ruhig zwischen den verschiedenen Varianten durch. Die Varianten, bei denen du spürst, dass sie für dich besonders gut sind, solltest du öfter machen als die anderen. Mach die Übungen jeden Tag, wann immer du daran denkst und du die Möglichkeit dazu hast.

 


 

Die Schaukel

 

Die Schaukel kannst du prinzipiell mit allen möglichen Objekten, auch der Sehtafel ausführen. Ich empfehle dir jedoch, die Übungen mit natürlichen Gegenständen durchzuführen.

Beim Schaukeln betrachtest du ein Objekt, das etwas weiter entfernt ist als du noch scharf sehen kannst. Nun stellst du dich etwas mehr als Schulterbreit hin und beginnst von einem Bein auf das andere hin und her zu schaukeln. Dabei betrachtest du ganz locker das Objekt. Du wirst merken, dass der Gegenstand dabei klarer wird. Dabei kann sich in deinen Augen eine leichte Spannung aufbauen. Versuche dem Verlangen zu Blinzeln noch etwas Stand zu halten. Wippe so lange hin und her, wie es angenehm ist. Dann schließe kurz die Augen und betrachte wieder das Objekt. Nun solltest du es etwas besser sehen als vorher.

Statt seitlich zu schaukeln, kannst du auch vor und zurück wippen. Geh dazu in eine Schrittstellung und verlagere das Gewicht vom einen Bein auf das andere.

Du kannst die Übung auch auf einer echten Schaukel ausführen. Setz dich doch einfach mal wieder auf einem Spielplatz auf eine Schaukel. Du darfst beim Augentraining ruhig ein bisschen kreativ sein.


 

Fokussierte Augenbewegung

 

Führe verschiedene Augenbewegungen durch, während du dabei verschiedene Gegenstände betrachtest. Trotz der Bewegung kannst du den gewünschten Bereich vor dir sehen. Blinzle anschließend ein paar Mal. Du wirst merken, dass du danach etwas schärfer siehst.

Trainiere vor Allem mit der Bewegung von links nach rechts, wobei du die Höhe dabei variieren kannst. Bei der Bewegung etwas nach oben zu schauen, ist dabei wirkungsvoller als direkt auf Augenhöhe. Zudem bieten das Kreisen und die liegende Acht eine gute Abwechslung. Probiere dich dabei selbst aus, was dir gut tut und was weniger. Das hängt auch von deiner individuellen Situation ab.


 

Autos beobachten

 

Das Beobachten von sich bewegenden Objekten ist ein wunderbares Augentraining. Eine einfache und praktische Möglichkeit ist, fahrende Autos zu beobachten. Um die Fokussierung zu trainieren, ist es gut sich auf entfernende oder herannahende Autos zu konzentrieren. Wichtig dabei ist, dass du je nach Sehschärfe, das Auto als Ganzes betrachtest oder bereits kleinere Details, wie das Nummernschild. Die Übung funktioniert natürlich auch mit jedem anderen bewegten Objekt. Vögel, Bälle, Sportler, ...

Die Übung kannst du quasi auch umkehren, wenn du dich selbst in das Auto (natürlich nur als Beifahrer :) ), die Bahn oder auf das Fahrrad begibst. Dabei verfolgst du mit deinen Augen an der Fahrbahn ruhende Objekte.